"...er unmittelbar von der Bildungsfront heranrückt und weiss, wo der Schuh sitzt und drückt. Hitsch fördert sinnvolle Neuerungen, unterstützt aber auch Altbewährtes an unserer Volksschule. Nach den vergangenen Jahren ist es zwingend, dass die parteipolitischen Schnellschüsse ein Ende haben!"Schulsuperviser
Die Fachmaturitäten
In den 80-er Jahren öffnete sich in unserem Ausbildungssystem zunehmend eine Lücke: In vielen Pflegeberufen zum Beispiel genügte ein Sekundarschulabschluss nicht mehr, eine Matura hingegen war eigentlich eine Überqualifikation. Daraus erwuchs als neuer Schultypus die Diplom-, später Fachmittelschule. Zuerst als zweijährige Ausbildung konzipiert, wurde sie auf drei Jahre ausgebaut.
In den Fachmittelschulen bilden die berufsfeldbezogenen Fächer das spezifische Ausbildungselement. In diesen Fächern werden die Jugendlichen für eine Spezial-ausbildung in bestimmten Berufsfeldern vorbereitet. Das sind in Graubünden Gesundheit, Pädagogik und Soziales.
Als Schwachpunkt stellte sich heraus, dass der Zugang zu Höheren Fachschulen und Fachhochschulen nicht klar geregelt war. Und wer beginnt schon eine Ausbil-dung, wenn die Zulassungen zur weiteren Ausbildung nicht klar geregelt sind?
Deshalb wurde das gesamtschweizerische Konzept der Fachmaturitäten eingerichtet. Mit einem spezifischen Zusatz zur Fachmittelschule wie Praktikum, Facharbeiten oder Ausbildungsmodulen, kann man sich eine Fachmaturität Pädagogik, Soziales oder Gesundheit erwerben. (Schweizweit gibt es noch weitere Berufsfelder, die aber in Graubünden nicht angeboten werden). Mit dieser Fachmaturität erwirbt man sich den Zugang zu einer Fachhochschule.
Dieses an sich clevere Ausbildungssystem wurde und wird leider von vielen Kanto-nen nur halbherzig umgesetzt. Während viele Pädagogische Hochschulen die Fachmaturität Pädagogik anerkennen, schert Zürich z.B. aus.
Ich bin hier etwas ausführlich geworden, weil es ein klassisches Beispiel für die Entwicklung der schweizerischen Bildungslandschaft ist. Die Konzepte sind oft sehr gut. Bei der Umsetzung, die Sache der Kantone ist, macht jeder, was er will. So auch der Kanton Graubünden im Bereich der Fachmaturitäten: Die Fachmittel-schulen waren zwar im Mittelschulgesetz verankert. Im Rahmen der Teilrevision wurde jedoch weder über die Fachmittelschulen noch die Fachmaturitäten gesprochen, was die Schulen wieder stutzig machte. Sie initiierten einen parlamentarischen Vorstoss, der verlangte, die Fachmaturitäten im Mittelschulgesetz zu verankern und die Vermutung über das Stillschweigen der Regierung wurde zur Gewissheit. Die Regierung empfahl auf Anraten des EKUD, den Antrag abzulehnen. Das hätte mittelfristig das Aus für die Fachmittelschulen bedeutet. Dank intensiver Überzeugungsarbeit konnte der Entscheid gekehrt werden. Der Grosse Rat beauftragte die Regierung, die Fachmaturitäten umzusetzen.
Die Zugang zur Pädagogischen Hochschule auf diesem Weg ist beliebt. Im Schuljahr 08/09 haben zwanzig Jugendliche diesen Weg gewählt, im Schuljahr 09/10 sind es bereits doppelt so viele.
Notabene: In wenigen Jahren droht uns ein Mangel an Lehrkräften. Es erweist sich also als sehr sinnvoll, diesen Zugang auszubauen.
Grundsatzentscheide über Ausbildungsgänge müssen offen gefasst werden. Hinter dem Rücken von Parlament und Betroffenen zu operieren, ist einer Demokratie nicht würdig. Genau so entsteht Politikverdruss: Die machen ja sowieso, was sie wollen!
Auch wir Ausbildungsstätten wissen, dass ‚der Kanton’ nicht alles richten kann. Aber es macht einen Unterschied, ob wir vertreten, angehört und unterstützt werden, oder ob wir stets auf der Hut sein müssen. – Das macht unsere Aufgabe zusätzlich sehr schwierig.







